Fortschritte beim Lernen
Sollte man den Lernfortschritt überprüfen? – Bei der Doman-Methode: Lass dein Kind sich zeigen, wenn es will.
Ein Kind zu unterrichten ist großartige Unterhaltung, aber auch harte Arbeit – daher erwarten wir Ergebnisse. Diese Ergebnisse gibt es auch: Das Kind kann lesen – doch sind sie oft nicht greifbar oder offensichtlich. Deshalb verspürt man leicht die Versuchung, das Kind zum lauten Vorlesen aufzufordern. Doch lautes Lesen ist eine Übung, die meist in der Schule verlangt wird, um das Können zu „beweisen“. Es verlangsamt jedoch selbst geübte Leser. Und wenn das Lesetempo sinkt, leidet sowohl das Textverständnis als auch der Lesespaß.
Merke: Wenn das Lesetempo sinkt, nimmt das Textverständnis dramatisch ab.
Kinder, die früh lesen lernen, lesen oft schnell – denn Lesen erfolgt über die Augen und den Sehsinn, nicht über den Mund und den Sprechapparat. Wenn dein Kind dir laut vorlesen möchte – wunderbar! Wenn nicht – lass es leise lesen. So liest es schneller und besser.
Wissen ist das wertvollste Geschenk, das du deinem Kind machen kannst. Deshalb raten wir entschieden davon ab, dein Kind zu testen. Kinder lieben es zu lernen – aber sie hassen es, geprüft zu werden. Wie auch Erwachsene. Prüfungen bedeuten Stress. Je öfter du dein Kind prüfst, desto langsamer wird es lernen – und desto weniger Lust wird es darauf haben.
Was bedeutet Prüfen eigentlich?
Im Kern ist es der Versuch, herauszufinden, was das Kind nicht weiß.
Prüfe dein Kind also nicht. Und erlaube auch niemand anderem, es zu prüfen.
Was also tun?
Statt zu testen, gib deinem Kind Gelegenheiten, Probleme zu lösen – damit es freiwillig sein Wissen zeigen kann. Ein einfaches Beispiel bei Kleinkindern: Zeige zwei seiner Lieblingskarten, z. B. „Apfel“ und „Banane“, und frage: „Wo ist die Banane?“
Wenn dein Kind auf die richtige Karte schaut oder sie berührt – freue dich und zeig deine Begeisterung. Wenn es die falsche wählt, sag einfach: „Hier steht Apfel“ und „Hier steht Banane.“
Reagiert es gar nicht, zeig ihm die Karte und sag freundlich: „Das ist die Banane, stimmt’s?“
Je älter das Kind wird, desto komplexer kann die Frage werden – immer angepasst an Alter und Interessen:
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2 Jahre: „Was hast du heute als Snack gegessen?“
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3 Jahre: „Was ist lang, gelb und süß?“
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4 Jahre: „Welcher dieser Früchte wächst in Brasilien?“
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5 Jahre: „Welcher dieser Früchte enthält mehr Kalium?“
Zwei einfache Wörter – fünf verschiedene Fragen. So entstehen spannende Denkaufgaben, die motivieren. Ganz anders als das langweilige „Was steht hier geschrieben?“
Und wenn dein Kind aus irgendeinem Grund keine Lust auf solche Aufgaben hat – lass es. Diese Gelegenheiten sind eher für dich als für dein Kind gedacht.